Sie sind nicht angemeldet.

MoinausOldenburg

Hauptkommissar

  • »MoinausOldenburg« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 777

Wohnort: OL-Eversten

Beruf: echtes Arbeitstier

  • Nachricht senden

1

Sonntag, 7. Februar 2010, 19:53

32:29 in Braila: Oldenburg verschafft sich glänzende Ausgangsposition

Zitat

Die Handballerinnen des VfL Oldenburg haben einen großen Schritt Richtung Europapokal-Viertelfinale gemacht. Im Hinspiel im Pokal der Pokalsieger beim ambitionierten rumänischen Erstliga-Sechsten Dunarea Braila gewann der VfL am heutigen Samstagvormittag (6.2.2010) dank einer konzentrierten Mannschaftsleistung und einer starken Defensive mit 32:29 (17:13). Das Rückspiel findet Sonntag in einer Woche (14.2.2010, 16 Uhr, EWE ARENA) statt.

Über 2100 Zuschauer in der überfüllten Danubius-Halle sahen einen interessanten und gutklassigen Vergleich zweier unterschiedlicher Systeme. Oldenburg versuchte es mit schnellem Spiel aus einer starken und aggressiven Deckung, Dunarea verließ sich auf seine Fähigkeiten im Positionsangriff, lief nur wenige Konter, hatte aber eine fast ebenso gute Defensive wie die Gäste aufzubieten. Zudem machten die Torhüterinnen Tatiana Surkova (Oldenburg) und die erst 19-jährige Elena Voicu (Braila) den Werferinnen beider Teams Probleme.

Schon mit dem ersten Angriff traf der VfL in Person von Linksaußen Julia Wenzl, nach dem Ausgleich von Nationalspielerin Ada Emilia Moldovan (2. Minute) setzte sich der VfL bereits ab. Nach zwei Minuten führte der VfL mit 3:1, nach sieben mit 5:2. Erstmals mit fünf Treffern Differenz lag Oldenburg vorne nachdem sich Natalja Parchina durch die 6-0-Deckung Brailas durchgetankt hatte (11:6/18.). In Unterzahl erzielte Julia Wenzl von Rechtsaußen das 13:8 (20.). Während dieser Zeitstrafe gegen Parchina hatte Spielführerin Sabrina Neuendorf vorher für das 12:7 (19.) gesorgt. Auch als später Geschke auf der Strafbank pausieren musste, gelang den Gästen ein Tor: Wenzl zum 15:11 (24.).

Aufregung bei den Coaches und Offiziellen gab es nach Ablauf der ersten 30 Minuten. Janina Luca hatte Sekundenbruchteile nach der Pausensirene zum vermeintlichen 14:17 getroffen, das Tor wurde auch zunächst angezeigt, nach kurzer Beratung des Schiedsrichtergespanns aber nicht gegeben.

Großen Anteil an der Führung hatte Surkova mit bereits neun Paraden. Die Oldenburgerin hatte lediglich gegen die Siebenmeter von Brailas Halblinker Katalin Jenofi keine Chance. Die Ungarin hatte mit zunehmender Spieldauer auch die besten Mittel gegen die 6-0-Abwehr des VfL mit einer wieder sehr starken Natalja Parchina im funktionierenden Zentrum mit Sabrina Neuendorf. Zur Pause hätten die Gäste sogar noch höher führen können, allein vier Gegenstöße fingen die aufmerksame Dunarea-Mannschaft ab.

Weil Abwehr und Angriff ihre Aufgaben sonst zur Zufriedenheit von Leszek Krowicki erledigten, sah der Trainer auch im zweiten Durchgang zunächst keinen Grund, die Stammformation auseinanderzureißen. Erstmals wechselte Krowicki in der 37. Minute, brachte Monic Burde für die zuvor gefoulte Neuendorf. Burde fügte sich sofort glänzend ein, traf aus der zweiten Reihe zum 22:18 (38.) und gleich im nächsten Angriff 23:19 (39.).

Der VfL verteidigte seine Führung nach der Pause lange, Braila gab sich aber nie auf und legte im Positionsangriff an Qualität zu. Beim 19:22 tanzte sich Luca an drei Oldenburgerinnen vorbei, zudem wurde die einzige Ausländerin Dunareas, Katalin Jenofi, immer stärker. Gut im Griff aber hatten die Oldenburgerinnen das Zusammenspiel mit den Kreisläuferinnen Irina Lazarin und Manuela Radulescu. Letztere erzielte erst in der 56. Minute den ersten Treffer von der Linie (28:29). Für einige herausgeholte Siebenmeter sorgten die beiden aber.

Bis zur 46. Minute (25:22) hielt Oldenburg Braila auf Distanz. Dann sorgte Jenofi mit einem Zehn-Meter-Knaller für das 23:25, wenig später besorgte Liliana Craciun den erstmaligen Anschlusstreffer seit dem 1:2. Beflügelt von der neuen Chance wurde das sowieso laute und frenetische Publikum spätestens jetzt zur achten Spielerin. "Sie waren zwar nicht für uns, aber es macht riesigen Spaß, so etwas zu erleben", sagte Geschke und schob das wort "geil" nach. Krowicki meinte zum selben Thema: "Das ist einmalig hier, es war deshalb auch psychologisch eine enorme Herausforderung." Auch und gerade bei Ballbesitz VfL veranstalteten die Anhänger der Gastgeberinnen in dieser Phase einen enormen Lärm.

Noch aber hielt Oldenburg die Führung: Die wieder eingewechselte Neuendorf (Burde spielte nun im Angriff für Parchina) warf das 26:24 (47.), Geschke nach Wackler das 27:25 (49.). Mehr als auf zwei Tore konnte sich Oldenburg aber nicht absetzen. Für das wichtige 28:26 sorgte wieder Neuendorf, die zuvor für Stange eingetauschte Maike Schirmer nach Diagonal-Pass Geschkes für das 29:27 (55.).

Fast wäre Radulescu in der Folge zur entscheidenden Figur geworden. Die 1,89 m große Kreisläuferin traf zunächst nach einem Geschke-Innenpfostenwurf per Konter das 27:28 (54.), traf zum 28:29 vom Kreis und holte danach einen Strafwurf heraus (5.). Unter dem begeisterten Jubel von deutlich über 2100 Menschen warf Jenofi zum 29:29 ein, der erste Ausgleich seit dem 1:1.

Fast eine Stunde, genau 55 Minuten, waren die Gastgeberinnen dem ersehnten Ausgleich hinterhergelaufen. Als es geschafft war aber hatte Dunarea sein Pulver verschossen. Jenofi traf noch den Außenpfosten und einmal neben das Tor. Nach einem Foul an die nach einem Steal enteilte Geschke musste zudem Luca zwei Minuten von der Platte (58.), in Unterzahl wurde das Unterfangen noch schwerer, zumal die VfL-Defensive noch einmal zulegte. Geschke (57.) und Neuendorf (58.) verwandelten Siebenmeter, mit ihrem vierten Tor krönte Burde in der letzten Minute ihre starke Leistung.

Aus dem teilweise ohrenbetäubenden Geräuschpegel wurde zum Schlusspfiff eine fast gespenstische Ruhe, lediglich die Trommel von VfL-Vorstand Klaus Scholl war für einige Momente zu hören. Kurz darauf bedankten sich beide Teams beim Publikum, der VfL erhielt fairen und verdienten Applaus.

Stimmen

Alexandrina Soare, Trainerin Dunarea: Gratulation an Oldenburg. Es war ein starkes Spiel gegen eine sehr starken Gegner. Wir ewaren etwas in Sorge, weil unser Team noch recht unerfahren ist. Doch wir haben uns nicht so schlecht verkauft. Die Entscheidung fällt erst in Oldenburg.

Leszek Krowicki, Trainer VfL: Ich bin sehr zufrieden mit unserem Auftritt, doch das war noch nicht die Entscheidung. Beide Mannschaften haben ein gutes Spiel gezeigt, beide waren in der Abwehr sehr stark und mit viel Tempo gespielt. Die Atmosphäre hier ist einmalig. Ich bin begeistert und bewundere Braila dafür. Es war psychologisch nicht leicht, uns hier gegen quasi acht Spielerinnen zu behaupten. Doch wir haben es geschafft. Kompliment an mein Team für seine Nervenstärke.

Sabrina Neuendorf, VfL: Das war ein gutes Spiel. Entscheidend waren unsere gute Abwehr und eine grandiose Angie (Geschke). Wichtig war, dass wir nach der hektischen Phase wieder runtergekommen sind. Zum Schluss haben wir uns durchaus vom Publikum anstecken lassen.

Angie Geschke, VfL: Das war eine gute Leistung, es gibt allerdings ein dickes Aber: Denn wir sind noch nicht durch. In Oldenburg müssen wir noch mal so ein Spiel hinlegen, Braila ist von jeder Position gefählich. Wir mussten höllisch aufpassen, dass die nicht zu oft in unsere Lücken stoßen. Und eins muss ich unbedingt noch loswerden. Wir sind wirklich ein Team. Barbara und Birthe (Hetmanek und Barger) haben zwar heute nicht gespielt, sind aber voll dabei und unterstützen uns mit ihren Beobachtungen und Tipps. Davon haben wir und auch ich heute sehr profitiert.

Dunarea Braila: Voicu (12 Paraden/1 Siebenmeter), Vasile (5 Minuten in 1. Halbzeit), Ancerencu (bei 1 Siebenmeter) - Dancu, Jenofi 12/6, Lazarin, Moldovan 4, Brot 2, Radulescu 2, Luca 5, Craciun 4, Tomuleanu, Irimia, Molnar n.e.

VfL Oldenburg: Surkova (16/1 Paraden), Renner (bei 1 Siebenmeter) - Wenzl 7, Geschke 7/2, Neuendorf 6/1, Parchina 1, Stange, Kethorn 6, Burde 4, Herr, Schirmer 1, Hetmanek n.e., Barger n.e.

Siebenmeter: 7/6 (Surkova pariert gegen Moldovan) - 4/3 (Voicu pariert gegen Neuendorf).
Zeitstrafen: 4 (Moldovan/34. Minute, Radulescu/36., Lazarin/48., Luca/58.) - 2 (Parchina/18., Geschke/23.).

Schiedsrichter: Tetjana Rakytina und Iryna Tkachuk aus der Ukraine.
Zuschauer: 2100 in der Danubius-Halle (ausverkauft).

Ole Rosenbohm / Presse VfL Oldenburg

Thema bewerten