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29.02.2008, 14:12

Stadt benennt Dr.-Eden-Straße in Rahel-Straus-Straße um

Am Samstag, 1. März, erhält die Verbindungsstraße zwischen An den Voßbergen und der Brandenburger Straße am Klinikum Oldenburg einen neuen Namen: Rahel-Straus-Straße. Dies hat der Rat beschlossen, nachdem bekannt wurde, dass der bisherige Namensgeber, der Amtsarzt und Chirurg Dr. med. Paul Eden (1871-1937), zur Zeit des Nationalsozialismus an Zwangssterilisationen im Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital beteiligt und für sie verantwortlich gewesen sein soll. Die ehemalige Dr.-Eden-Straße wird nun nach der Ärztin, Sozialarbeiterin, Frauenrechtlerin und Zionistin Rahel Straus (1880-1963) benannt. Die Umbenennung wurde mit der Geschäftsführung des Klinikums Oldenburg, dem Bürgerverein Kreyenbrück-Bümmerstede e.V. und der Arbeitsgemeinschaft Stadtoldenburger Bürgervereine abgestimmt.

Rahel Straus, geborene Goitein (* 21.03.1880 in Karlsruhe 15.05.1963 in Jerusalem) studierte ab Mai 1900 als erste Frau an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. Sie wurde Ärztin und engagierte sich als Sozialarbeiterin, Frauenrechtlerin und Zionistin. 1908 eröffnete sie in München eine gynäkologische Praxis. Damit war sie die erste niedergelassene Ärztin, die an einer deutschen Universität ausgebildet worden war. Als Ärztin kämpfte Rahel Straus aus einer feministischen Perspektive für die Abschaffung des § 218 Strafgesetzbuch, engagierte sich in sozialen und pädagogischen Fragen und war Vorsitzende des Verbands jüdischer Frauen für Palästinaarbeit sowie Mitglied in der Women`s International Zionist Organisation (WIZO). 1918 beteiligte sie sich in einigen Gremien der Münchner Räterepublik. 1932 übernahm sie eine führende Rolle im Jüdischen Frauenbund. Dieser half unter anderem Müttern mit unehelichen Kindern und Opfern des Frauenhandels. Im Jahr 1933 emigrierte sie nach Palästina. Rahel Straus arbeitete dort weiter als Ärztin und Sozialarbeiterin und gründete 1952 die israelische Gruppe der Women`s International League for Peace and Freedom, deren Ehrenpräsidentin sie bis zu ihrem Tod 1963 blieb. Eines ihrer sozialen Projekte, die Behindertenförderung AKIM-Jerusalem besteht noch heute und führt dort eine Ausbildungsstätte namens Beth Rahel Straus.

Der Umbenennung der Dr.-Eden-Straße in Rahel-Straus-Straße liegen Forschungsergebnisse der Arbeitsstelle Regionale nationalsozialistische Gesundheits- und Sozialpolitik am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg zugrunde. Die Forschergruppe kooperiert mit dem Gedenkkreis Wehnen e.V., zu dem sich Angehörige von Opfern der NS-Euthanasie in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen zusammengeschlossen haben. Nach heutigen Erkenntnissen waren zahlreiche Berufsgruppen an den Gewaltmaßnahmen gegen Menschen mit einer geistigen Behinderung bzw. psychischen Erkrankung beteiligt: von Pflegern und Schwestern über Hebammen, Hilfsschullehrern bis zu Heimleitern und Diakonissen, und letztlich verantwortlich: Richter und Ärzte. Einer von ihnen war der 1871 in Harmhausen (Butjadingen) geborene Orthopäde und Chirurg Dr. med. Paul Anton Theodor Eden. In der vom ihm geleiteten Chirurgischen Abteilung des Peter Friedrich Ludwigs Hospitals wurden in den Jahren 1934 und 1935 zirka 440 Männer und Frauen gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht, 160 davon von ihm selbst. Die Opfer waren wegen ihrer Erkrankung, Behinderung oder Lebensweise beim Erbgesundheitsgericht angezeigt worden, sie wurden zu Minderwertigen abgestempelt und zur Gefahr für die Volksgesundheit erklärt. Reichsweit wurden nach dem zum 1. Januar 1934 in Kraft getretenen Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses bis zu 400.000 Menschen zwangsweise sterilisiert. Zu ihnen zählten auch die Patienten der Heil- und Pflegeanstalten, von denen viele danach der NS-Euthanasie zum Opfer fielen. Allein in der oldenburgischen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wurden mindestens 1.500 Patienten zumeist durch Aushungerung und Vernachlässigung ermordet. Nach Einsicht in die wenigen noch vorhandenen Erbgesundheitsakten im Stadtarchiv ist es unzweifelhaft, dass Dr. Eden selbst einige Zwangssterilisation durchgeführt hat und auch wenn andere Mediziner diese im Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital vorgenommen haben, er diese als Leiter der dortigen Chirurgischen Abteilung zumindest zu verantworten hatte. Die Anzahl der durchgeführten Eingriffe lässt sich nicht verifizieren, es könnten jedoch grob geschätzt bis zu 100 vom Inkrafttreten des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (1.01.1934) bis zu seiner Pensionierung im Oktober 1935 gewesen sein. Dr. Eden war zwar nicht am Verfahren zur Entscheidung über die Zwangssterilisation beteiligt. Er hatte jedoch als letztes Glied in der Kette den Eingriff zu beaufsichtigen und auch durchzuführen.

Am Pressetermin zur Umbenennung am Samstag, 1. März, ab 10 Uhr, werden voraussichtlich teilnehmen:Stadtbaurat Dr. Frank Pantel, Stadt Oldenburg,Rudolf Mintrop, Geschäftsführer des Klinikum Oldenburg,Dr. Christine und Emil Redlich, die den Anstoß zur Umbenennung gaben,Martin Plump und Lars Cramer, als weitere Anstoßgeber,Dr. habil. Ingo Harms, Arbeitsstelle Regionale nationalsozialistische Gesundheits- und Sozialpolitik am Institut für Sonder- und Religionspädagogik, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg,sowie Vertreter des örtlichen Bürgervereins.

PM Stadt Oldenburg
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten. Solche Leute sind eh im Unrecht, da ich keine Fehler mache.

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02.03.2008, 18:51

Mußte unbedingt noch eine Straße nach nem Juden benannt werden? Dr. Eden war sicherlich ein verdienter Arzt
aber irgendetwas läßt sich sicherlich immer finden wenn man lange genug sucht.

Edit by Matthias:
User wird ab sofort moderiert, d.h. seine Beiträge und Themen werden erst nach freischaltung durch einen Moderator sichtbar.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Matthias« (02.03.2008, 19:52)


ThomasGoe

unregistriert

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02.03.2008, 19:39

Umbenennung...

Zitat thomas11:
Mußte unbedingt noch eine Straße nach nem Juden benannt werden? Dr. Eden war sicherlich ein verdienter Arzt

aber irgendetwas läßt sich sicherlich immer finden wenn man lange genug sucht.

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Ahh........ja :huh: ??

eigentlich könnte ich ja auf dein provokanten Kommentar antworten, nachdem ich mir aber kurz deine anderen bisherigen Kommentare angeschaut habe.........ist mir dafür meine Zeit gerade zu kostbar..*aufdieLippenbeiss* X(

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13.03.2008, 10:59

Mir persönlich ist es eigentlich ziemlich egal ob die
Straße umbenannt wurde. Letzlich sind Namen nur
Schall und Rauch. Es ist nunmal so das Straßen von
den jeweiligen Machthabern nach den Personen
benannt werden die politisch gerade ins Konzept passen.
Interessant finde ich aber das jeder der hier im
Forum das Judentum auch nur ansatzweise kritisiert
gleich gebannt oder "moderiert" wird.

FrankB

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13.03.2008, 11:30

Würde jemand schreiben, dass er/sie persönlich mit Ansichten (!) einer Religion nicht konform geht, so wäre das Kritik. Thomas' Kommentar aber hatte eine Aussage von Null - abseits davon, dass er meint, Straßen sollten nicht nach Menschen jüdischer Religion benannt werden. Und das ist Diskriminierung...

Michael

passt hier nur auf

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1

13.03.2008, 22:02

Zitat

er meint, Straßen sollten nicht nach Menschen jüdischer Religion benannt werden. Und das ist Diskriminierung...
Tu mir den Gefallen und stell das in Frage, "Manni" ....

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31.03.2008, 15:06

Heißes Eisen....

Ich kann fast nicht glauben, was ich hier lese.
Man sollte meinen, daß die Menschheit (besonders die Deutschen) aus dem letzten Krieg etwas gelernt hat. Das ist wohl doch noch nicht nicht bei allen angekommen.

Warum werden Straßen nach Personen benannt? Weil diese sich um etwas verdient gemacht haben. Was manni dazu schreibt ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen. Auch in Oldenburg haben wichtige Straßen und Plätze in der Zeit von 1933-1945 die Namen von NS-Größen gehabt. (Schaut euch auf dammtoviertel.de den Stadtplan von 1938 an: Es gab in Eversten den a.-h.-platz!) Wer jetzt nicht weiss, wer gemeint ist, sollte Nachhilfe in Geschichte nehmen.)


Dieses Regime hat sich der größten Verbrechen an der Menschlichkeit schuldig gemacht. Auf dieser Grundlage muss entschieden werden, das -zu diesem Thema gehörend- alle Personen, die auf der „schwarzen Liste“ stehen, auch das Verdienst aberkannt bekommen, Namensgeber für Straßen zu sein.

Auf diese „schwarze Liste“ gehören nicht nur die NS-Größen, sondern auch jene Personen, die durch die „Ausführung von Befehlen“ gegen die Menschlichkeit verstoßen haben; also jeder, der durch seine (Macht-)Position
anderen Menschen Schaden zugefügt hat. Jeder Mensch hat zu beurteilen, ob ein „Befehl von oben“ gegen etwas verstößt. Und zwar nicht nur zu seiner Zeit: auch für die Zukunft. In der NS-Zeit galten andere Gesetze als heute. Manche Gesetze (viele mit Menschenverachtendem Hintergrund) sind nach heutigem Ermessenhaarsträubend, aber sie galten. Nach 1945 wurde diese Gesetze abgeschafft. Jeder, der sich nach diesen Gesetzen konform (angepasst)
verhalten hat, hat sich der Verbrechen an der Menschlichkeit schuldig gemacht!


Dr. med Paul Eden war Leiter der Chirurgischen Abteilung im PFL und hatte damit Entscheidungsbefugnis. Wenn ein Gesetz ins Leben (wie ironisch in diesem Zusammenhang) gerufen wird, das Behinderten das Recht auf Nachkommen verbietet, dann ist das wohl ziemlich menschenverachtend. (Es besagt: DU bist es nicht wert, deine Gene weiter zu geben!) Herr Eden hat entschieden, nach diesem Gesetz zu handeln. (Er kann natürlich nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, da er 1937 verstarb.) Er dürfte es eigentlich nicht(!), da er den Hippokratischen Eid geschworen hat: Er muss als Arzt den Menschen helfen zu gesunden. Er darf nie einen Menschen durch sein Handeln körperlich schädigen. (Man sollte sich in diesem Zusammenhang mal vor Augen führen, was bei einer (irreversiblen) Sterilisation gemacht wird. Ein gesundes Organ wird chirurgisch / mechanisch beschädigt – ein Widerspruch zumHippokratischen Eid!)

Vor diesem Hintergrund ist Herrn Eden das Verdienst zur Namensgebung einer Straße abzuerkennen, obwohl er sicherlich durch seine Arbeit hunderten oder mehr das Leben gerettet hat.


Am Rande: Auch Paul von Hindenburg könnte die Ehre zur Namensgebung verlieren, wenn einmal entschieden wird, ob seine Verdienste als Oberkommandeur von 1893-1886 des Oldenburger 91er-Infanterieregiment und in den Kriegen davor weniger wiegen, als die Tatsache, dass er als Reichspräsident der (demokratischen) Weimarer Republik 1933, kurz nach der (leider halbwegs auf demokratischen Wege und mehrheitlichen ) Wahl der „nsdap“ (Das werde ich nicht groß schreiben!) das Ermächtigungsgesetz zu unterzeichnen. DAS ermöglichte erst all die Greueltaten, die Millionen Menschen das Leben kostete. Und noch mehr Millionen, die durch die Greuel litten, die überlebten und damit leben mussten. Wie fühlen sich zB. Eltern, die von ihren Kindern getrennt werden??? Wie fühlt sich ein Soldat, der einem anderen den halben Kopf wegschießt??? Solche Erlebnisse wird ein Mensch nie wieder los!!!



So sehe ich das!



Thomas11:

Die Rüge hast du zu Recht von Matthias bekommen. Ich stimme dem völlig zu. Es kann doch nicht sein, dass heute noch jemand diese Formulierung wählt. Keiner sollte so eindeutig „judenfeindliche“ Wortkonstrukte verwenden!
Oder ist dir nicht klar, welche historische Bedeutung auf deinen Worten lastet. Wenn nicht, dann befasse dich mal mit dem Holocaust und melde dich dann wieder. Wenn dir die Sache allerdings klar ist, solltest du deine Meinung besser für dich behalten und niemanden damit infizieren!



Die Schuld, die sich das deutsche (und zwar gesamte) Volk (wohl mehrheitlich Christen) an den Juden / dem Judentum aufgeladen hat, ist noch lange nicht gesühnt. Man sollte auch nicht vergessen, dass Juden, Christen und Moslems die gleichen religiösen Wurzeln haben! (Ich gehöre keiner Religionsgemeinschaft an und achte trotzdem ALLE; zähle michselbst zu den Agnostikern).



Die Wahl der Rahel Straus als Namenspatronin ist sicherlich gut gewählt, wenn man die Biographie durchliest. Sie hat es als erste Frau in Deutschland geschafft, sich als Ärztin nieder zu lassen.


Und sie litt unter dem Regime, dem Eden gedient hat. Ein gerechter Namenstausch also. Sie wird mit dem Straßennamen für ihre Arbeit geehrt, und dafür dass ihr Leiden nicht in Vergessenheit gerät.


Ich persönlich kannte den Namen vorher nicht. Mit der Frage: „Wer steht hinter diesem Namen?“ kann wieder ein Stück Geschichte in Deutschland aufgearbeitet werden! Straßen gegen das Vergessen: das finde ich gut :-)



Kein Mensch sollte vergessen werden. Weder die Guten, noch die Schlechten. Nur wenn die Vergangenheit gegenwärtig ist, können vernünftige Schlüsse gezogen werden.



Auch der Name „Dr. Eden“ darf daher nicht in Vergessenheit geraten. Nur wer die Geschichte kennt, wiederholt hoffentlich nicht ihre Fehler!!!



Soviel dazu... (noch wach?)

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