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MoinausOldenburg

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13.10.2009, 19:12

Häusliche Gewalt - Ausstellung eröffnet

Zitat

Es ist es eine ganz gewöhnliche 3-Zimmer-Wohnung, die in der Wanderausstellung »Rosenstraße 76« nachgebaut ist. Erst auf den zweiten Blick liegen einige Indizien für häusliche Gewalt ganz offen da, und auch wenn jedes für sich genommen zunächst einmal gar nichts sagt, ihre Summe deutet an, dass diese Wohnung ein Ort häuslicher Gewalt ist: ein halb gepackter Koffer auf dem Bett im Schlafzimmer, ein Ledergürtel auf dem Kinderbett, der nur einem Erwachsenen gehören kann, die leere Bierflasche in der Küche, der Entschuldigungsbrief auf dem Wohnzimmertisch, um nur einige zu nennen. Wer sich die Mühe macht und genauer hinsieht, vielleicht die Bücher im Regal studiert oder den Anrufbeantworter abhört, entdeckt noch mehr.

Eröffnet wurde die von Brot für die Welt und der Diakonie Westfalen konzipierte Ausstellung am Montag, 12. Oktober, im famila Einkaufsland Wechloy. Für den Präventionsrat Oldenburg, der die Ausstellung im Rahmen seiner Kampagne gegen häusliche Gewalt präsentiert, dankte Gerd Koop den zahlreichen beteiligten Organisationen und Personen, besonders natürlich dem famila Einkaufsland und seinem Marktleiter Lutz Herbst. Außerdem appellierte er an die Presse, auch häusliche Gewalt öffentlich zu machen und sie damit aus der Tabuzone zu holen. »Häusliche Gewalt gibt es in allen Gesellschaftsschichten, und die Dunkelzffer ist hoch.«

In die gleiche Richtung zielte Dr. Christine Hawighorst, Staatssekretärin im niedersächsischen Sozialministerium. »Gewalt hat ein männliches Gesicht« war einer ihrer Kernsätze, mit Verweis auf entsprechende Statistiken.
Die sind, das sei an dieser Stelle angemerkt, mit großer Vorsicht zu betrachten. Zweifellos sind in den weitaus meisten Fällen Männer die Täter und Frauen und Kinder die Opfer. Ob es aber 99 % sind? Wenn schon viele Frauen nicht eingestehen wollen, von ihrem Mann geschlagen zu werden, um wie viel schwerer dürfte dieses Eingeständnis für Männer sein? Dazu kommen psychische Formen von Gewalt oder das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, von dem - angeblich - vorwiegend Frauen betroffen sein sollen.

Frau Dr. Hawighorst erwähnte darüber hinaus vergleichsweise neue rechtliche Grundlagen zum Opferschutz (»Wer schlägt, muss gehen«), aber auch noch offene Aufgaben wie Hilfeangebote für Täter. Sie wies auf Schwierigkeiten beispielsweise für die Polizei an der Wohnungstür hin, forderte wie auch ihr Vorredner die Öffentlichkeit zum Hinschauen und Aktiv-Werden auf und lobte den Oldenburger Präventionsrat für seine Arbeit.

Diesem Lob schloss sich auch Rechtsdezernentin Silke Meyn an, die stellvertretend für den Oberbürgermeister sprach, und dankte im Namen der Stadt dem Einkaufszentrum, das diese Ausstellungsräume zur Verfügung gestellt hat.

Marktleiter Lutz Herbst sieht einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dieser Ausstellung und der Aktion »Leben und Wohnen in der Übermorgenstadt«, die am 18. Oktober ebenfalls im famila Einkaufsland stattfindet. »Beides sind gesellschaftliche Themen, und wir, die Wirtschaftsunternehmen, haben Verantwortung für alle Menschen, die hierher kommen. Von daher ist das Engagement für uns selbstverständlich«.

Schließlich stellten die »Street Style Girls« dem Publikum ihren preisgekrönten Song aus dem »kreaktion«-Wettbewerb vor, bevor Pastorin und Projektleiterin Silke Steveker eine thematische Einführung gab.

Man muss, wie gesagt, genauer hinsehen, um die Ausstellung ganz zu erfassen. Dann entdeckt man auch ihre Schwächen. Dass die Darstellung in einigen Punkten schablonenhaft ist, lässt sich kaum vermeiden, sie muss es sein, wenn sie aufrütteln soll. Von daher ist es zweitrangig, dass manche Bilder, am auffälligsten im Kinderzimmer, nicht ganz stimmen.

Dass Alkohol und Gewalt zusammengehören, ist ziemlich unstrittig, bei Medienkonsum wird es schon schwieriger, und ein Zusammenhang von Migrationshintergrund und Gewalt ist, wie auch Silke Steveker auf Nachfrage einräumte, kaum nachweisbar.

Es ist aber weder Aufgabe noch Ziel der »Rosenstraße 76«, ein genaues Bild der Wirklichkeit zu liefern, sondern vielmehr, die Besucher für häusliche Gewalt in ihrer Umgebung sensibel zu machen, genau hinzuschauen, nicht stumm zu bleiben, etwas zu tun. Das erreicht sie auf beeindruckende Weise und ist daher sehens- und erfahrenswert.

Quelle: www.ganz-oldenburg.de

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